Jetzt zählen weder Tabellenplätze noch Statistiken oder die Ergebnisse der Vergangenheit. Am Samstag, 29. August, steht für die Rostock Griffins das bislang größte Spiel der Saison an. Im Halbfinale um den erstmals ausgetragenen GFL 2 Bowl treffen die Greifen auswärts auf den Südmeister Wiesbaden Phantoms. Es geht um nichts weniger als den Einzug ins Finale – und damit um die Chance auf den Aufstieg in die GFL, die höchste deutsche Spielklasse. Kickoff in Wiesbaden ist um 16.30 Uhr.
Alles auf eine Karte: Griffins vor dem Halbfinal-Kracher in Wiesbaden - Foto: Gunnar Rosenow
Die Ausgangslage könnte kaum spannender sein: Wiesbaden geht als Meister der GFL 2 Süd mit einer beeindruckenden 9:1-Bilanz ins Halbfinale. Die Griffins reisen als Zweiter der GFL 2 Nord mit acht Siegen und zwei Niederlagen nach Hessen. Beide Teams haben über die gesamte Saison hinweg bewiesen, dass sie zu den stärksten Mannschaften der GFL 2 gehören.
Der Modus ist dabei gnadenlos: Ein Spiel, ein Sieger, ein Ticket für den GFL 2 Bowl. Der Gewinner trifft am 12. September auf den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen den Krefeld Ravens und den Albertshausen Crusaders. Dort geht es dann um Meisterschaft und Aufstieg.
Die 42:45-Niederlage bei den Minden Wolves Anfang August war für die Griffins zweifellos ein Rückschlag. Doch die Reaktion darauf hätte kaum deutlicher ausfallen können. Im entscheidenden Heimspiel gegen die Hamburg Pioneers ließen die Rostocker anschließend keinen Zweifel daran, wer das Playoff-Ticket lösen würde. 56:14 hieß es nach vier Vierteln. Bereits zur Halbzeit führten die Hausherren mit 42:0.
Die Offensive produzierte Big Plays, die Defense dominierte – und das gesamte Team zeigte genau die Reaktion, die es nach dem Spiel in Minden gebraucht hatte. Nun wartet mit Wiesbaden allerdings eine Mannschaft, die ihrerseits seit Monaten auf dieses Spiel hinarbeitet.
Phantoms mit Heimvorteil – Griffins mit Selbstvertrauen
Die Phantoms sicherten sich souverän den Titel in der GFL 2 Süd. Zum Abschluss der Hauptrunde bezwangen sie die Montabaur Fighting Farmers mit 34:25. Head Coach Patrick Griesheimer spricht entsprechend respektvoll über den kommenden Gegner aus Rostock. Die Griffins seien auf beiden Seiten des Balles sehr gut gecoacht, verfügten über explosive Skill Player und eine disziplinierte Defense.
691 Kilometer bis zum großen Ziel: Rund 700 Straßenkilometer liegen zwischen Rostock und Wiesbaden. Eine lange Reise, die für Mannschaft und Staff einiges an Organisation und natürlich auch finanziellem Aufwand bedeutet. Doch genau für solche Spiele nimmt man diese Strecke auf sich.
Das bedeutet allerdings auch, dass nur die härtesten GrifFANS die Mannschaft auf dem Weg nach Hessen begleiten werden. Ein besonderer Dank geht deshalb an alle Sponsoren der Greifen – und speziell an diejenigen, die diese lange Auswärtsfahrt zusätzlich unterstützt haben: SCHALLMAUER Rostock, WAPNER TRANSPORTE MALCHIN, HARATZ Consulting GmbH, Boie GmbH & Co. KG, w.Holz Catering und die Cubus KC GmbH & Co. KG.
Zellous, Beumer, Gomes, Lewis, Riemer, Davidson und Saint-Jean – eine hanseatische Offense mit vielen Waffen
Ein besonderes Augenmerk dürfte auf dem Rostocker Angriff liegen. Schließlich treffen die Griffins auf eine Wiesbadener Defense, die zu den stärksten der gesamten zweiten Liga zählt.
Quarterback Chris Zellous hat sich im Saisonverlauf zu einem wichtigen Faktor entwickelt. Entscheidend wird auch sein, ob seine Offensive Line ihm ausreichend Zeit verschaffen kann, um die zahlreichen Waffen im Angriff einzusetzen. Mit Spielern wie Jonas Beumer und Jaeden Lewis verfügen die Griffins über gefährliche Playmaker, die jederzeit für Punkte sorgen können.
Doch ein Halbfinale wird nicht allein durch spektakuläre Plays entschieden.
Es wird auf den Kampf an der Line of Scrimmage ankommen. Auf die Special Teams. Auf dritte Versuche und Turnover. Auf die Feldposition. Und vor allem auf die Fähigkeit, auch dann ruhig zu bleiben, wenn ein Spielzug einmal nicht funktioniert. Eines ist sicher: Wiesbaden wird den Griffins nichts schenken – auch wenn sich die Phantoms in ihren Vorberichten gerne selbst als Underdog darstellen.
Die Saison 2026 ist noch nicht vorbei
Die Griffins haben ihr erstes großes Saisonziel erreicht: die Playoffs. Doch niemand fährt 691 Kilometer, um ein Halbfinale einfach nur zu spielen. Die Mannschaft will mehr. Der GFL 2 Bowl ist das nächste Ziel. Und dahinter wartet die vielleicht größte Belohnung: der sportliche Aufstieg in die GFL. Erstmals wird in dieser Saison der GFL 2 Bowl ausgespielt – und sein Sieger steigt direkt in die höchste deutsche Spielklasse auf.
Der Weg dorthin führt für die Greifen über Wiesbaden. Ein Sieg – und Rostock steht im Finale. Eine Niederlage – und eine starke Saison endet unmittelbar vor dem ganz großen Ziel. Am Samstag wird deshalb nicht gefragt, wer die bessere Hauptrunde gespielt hat. Nicht, wer die besseren Statistiken gesammelt hat. Nicht, wer als Favorit gilt. Am Samstag zählt nur, wer am Ende des Spiels mehr Punkte auf der Anzeigetafel hat.
Verfasser und verantwortlich für den Inhalt: Jens Putzier- Rostock Griffins (redaktionell geändert)