Calgary Gators aus Kanada unterstreichen ihre Klasse und siegen im Weserstadion mit 56:7 - Dieser Gegner war schlichtweg zwei Klassen zu stark. Nach dem deutlichen Sieg gegen den niederländischen Rekordmeister Amsterdam Crusaders (35:18) wurden den Minden Wolves eine Woche später eindrucksvoll die Grenzen aufgezeigt. Das Team der Calgary Gators aus Kanada, das derzeit durch Deutschland tourt und neben dem klaren Erfolg bei den Schwäbisch Hall Unicorns nach eigenen Aussagen auch seine Gastgeber in Hildesheim und Bielefeld bei Scrimmages dominierte, war dem Aufsteiger in die GFL2 in allen Belangen überlegen. Am Ende stand ein deutlicher 56:7 (14:0, 14:0, 7:7, 21:0)-Erfolg im Weserstadion.
Mindens Tim Fauth kann mit seiner spektakulären Flugeinlage Calgarys Anthony Tanguay stoppen - Foto: Hendric-Noah Pieper
„So wie sich Calgary bei uns präsentiert hat, würde das Team in der GFL1 ganz vorne mitspielen. Nicht umsonst haben sie auf ihrer Deutschland-Tour ausnahmslos klare Siege eingefahren“, zog Wolves-Vorstand Volker Krusche respektvoll den Hut vor der Leistung der Gäste aus Übersee. „Gerade das, was sie in der O- und D-Line aufbieten, sieht man hierzulande sicher nicht alle Tage.“
Zwar mussten die Mindener insbesondere in der eigenen Offensiv-Line auf einige Akteure verzichten, doch am Spielverlauf hätte ihre Anwesenheit kaum etwas geändert. Zu deutlich war der kanadische Meister der Jahre 2024 und 2025 überlegen. Es war eine Demonstration der Klasse – und entsprechend ruhig und sachlich ordneten die Verantwortlichen um Headcoach Phil Gamble die Partie ein. „Es war eine absolute Lehrstunde für uns – und ich glaube, dass uns das guttun wird“, bilanzierte Gamble. „Dass Calgary sehr gut ist, war klar. So stark hätte ich sie allerdings nicht erwartet. Nach dieser Niederlage sind wir wieder geerdet.“
Etwas enttäuscht zeigte man sich auf Seiten der Gastgeber über die eher magere Kulisse. Möglicherweise lag es daran, dass an drei aufeinanderfolgenden Samstagen namhafte Gegner im Weserstadion gastieren. Nur gut 500 Zuschauer verfolgten die Partie im „Wohnzimmer“ der Wolves. Enttäuscht war jedoch niemand – vielmehr wurde die Klasse des Gegners anerkannt. Stolz überwog darüber, dass sich das eigene Team dieser Herausforderung gestellt hatte.
Bereits der erste Angriff der Mindener wurde von den physisch beeindruckenden Kanadiern kompromisslos gestoppt. Im Gegenzug marschierten die Gäste souverän über das Feld, sodass Bryce Harper das erste Angriffsrecht direkt in einen Touchdown ummünzte. Kurz darauf erhöhte er mit seinem zweiten Endzonenbesuch, jeweils inklusive der von Ian Hewitt verwandelten PATs (Points after Touchdown), auf 14:0 nach dem ersten Viertel.
Im zweiten Quarter hielt die Mindener Defense besser dagegen, konnte jedoch nicht verhindern, dass Ben Hnatiuk nach einem zuvor vergebenen 36-Yard-Field-Goal-Versuch mit einem Touchdown (plus PAT Hewitt) auf 21:0 stellte. Eigentlich schien dieses Ergebnis zur Pause Bestand zu haben, doch ein langer Pass der Gäste wurde nicht entscheidend gestört, sodass Jacob Deslo der Endzonenbesuch praktisch „geschenkt“ wurde. Mit 28:0 ging es in die Halbzeit.
Auch nach dem Seitenwechsel blieben die Gators am Drücker. Erneut war es Bryce Harper, der mit seinem dritten Touchdown auf 34:0 erhöhte. Gabriel Canabrava verwandelte den PAT zum zwischenzeitlichen 35:0.
Headcoach Phil Gamble reagierte und brachte den jungen Mindener Quarterback Fabrice Steinbach für US-Import Darrius Sample. Der 22-Jährige fügte sich gut ein, änderte bei seinem ersten Einsatz sogar den angesagten Spielzug und bediente stattdessen Rückkehrer Willie Fedd Jr. mit einem Pass über 30 Yards. Fedd sorgte mit seinem Touchdown für den umjubelten Ehrenpunkt der Hausherren – eine „Nullnummer“ war damit abgewendet.
Mehr Zählbares sollte den Wolves allerdings nicht mehr gelingen. Im Schlussviertel dominierten erneut die Kanadier. Runningback Marshall Tailleur, Spielertrainer Kurt Howland und Wide Receiver Doneff Cassidy sorgten gemeinsam mit drei erfolgreichen PATs dafür, dass Calgary die 50-Punkte-Marke knackte und auf 56:7 davonzog. Pech für Minden: Nach einem Quarterback-Sack durch Geburtstagskind Kai Schröter fehlte die Zeit, um aus guter Feldposition vielleicht noch ein zweites Mal zu punkten.
Fest steht dennoch: Für das Wolfsrudel, das erst in sein sechstes Spieljahr geht, war die deutliche Niederlage zugleich eine wertvolle Erfahrung – und trotz allem ein besonderes Erlebnis.