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45:42-Sensation gegen Rostock hält die Hoffnung auf den Klassenerhalt am Leben – Cavanaugh überragt bei spektakulärem Offensivfeuerwerk - Die Minden Wolves haben sich mit der wohl größten Überraschung der bisherigen GFL2-Saison eindrucksvoll zurückgemeldet. Ausgerechnet gegen den Tabellenzweiten Rostock Griffins feierte der Aufsteiger beim spektakulären 45:42 (14:7, 13:27, 12:0, 6:8)-Heimsieg seinen ersten Erfolg in der 2. Bundesliga überhaupt und wahrte damit die Chance auf den Klassenerhalt.

Zack Cavanaugh war der überragende Akteur beim ersten Mindener Saisonsieg -  Foto: Florian BergeZack Cavanaugh war der überragende Akteur beim ersten Mindener Saisonsieg - Foto: Florian Berge

Während auf Mindener Seite nach dem Schlusspfiff Spieler, Trainer und Verantwortliche ihren Emotionen freien Lauf ließen – einige schrien ihre Freude heraus, anderen liefen Tränen über das Gesicht –, müssen die Griffins ihre sichere Playoff-Qualifikation auf den kommenden Spieltag verschieben.

Die Vorzeichen hätten unterschiedlicher kaum sein können. Minden ging mit einer Bilanz von 0:8 als Tabellenletzter in die Begegnung und stand vor einem Endspiel um den Ligaverbleib. Eine weitere Niederlage hätte den sofortigen Wiederabstieg nahezu besiegelt. Rostock dagegen war mit 7:1 Siegen angereist und hätte mit einem Erfolg den Einzug in die Playoffs des neu geschaffenen GFL2-Bowls perfekt machen können. Am Ende war es jedoch der Außenseiter, der den Favoriten mit einer leidenschaftlichen Leistung überraschte.

Cavanaugh verändert das Spiel der Wolves

Der Schlüssel zum Erfolg trug einen bekannten Namen. Zachary Cavanaugh, eigentlich seit einigen Wochen Offense Coordinator der Wolves und nach Ablauf seiner Wechselsperre erstmals wieder spielberechtigt, kehrte mit 40 Jahren selbst aufs Feld zurück – und drückte der Partie seinen Stempel auf. Der US-Amerikaner, der Minden bereits in der Vorsaison als Quarterback zum Regionalligatitel und Aufstieg geführt hatte, organisierte die Offensive mit großer Übersicht und riss seine Mitspieler mit.

Selbst die Griffins zeigten sich überrascht. Mit Cavanaugh hatten wir nicht gerechnet. Den hatten wir nicht auf dem Zettel“, lautete das knappe Fazit der Rostocker nach Spielende. Tatsächlich hatte der Routinier die zuvor oft stockende Mindener Offense in den vergangenen Wochen bereits als Coordinator deutlich belebt – nun führte er sie auch auf dem Feld zum bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

Offensivspektakel mit ständig wechselndem Momentum

Den besseren Start erwischten zunächst die Gäste. Quarterback Christofer Zellous führte einen starken Eröffnungsdrive an und fand Jaeden Lewis zum ersten Touchdown des Tages. Arthur Riemer verwandelte den Extrapunkt zur frühen 7:0-Führung.

Doch Minden antwortete umgehend. Zunächst tankte sich Running Back René Lange in die Endzone, ehe Cavanaugh wenig später Willie Fedd Jr. mustergültig bediente. Tobias Pauls verwandelte beide Extrapunkte und die Wolves führten nach dem ersten Viertel überraschend mit 14:7.

Im zweiten Abschnitt entwickelte sich ein Offensivfeuerwerk. Zellous fand zunächst Ruben Saint-Jean zum Ausgleich, ehe Ryan Gomes mit einem 75-Yard-Punt-Return die Griffins wieder nach vorne brachte. Minden konterte erneut – auch begünstigt durch zahlreiche Rostocker Strafen – und ging durch Darric Shank wieder mit 21:20 in Führung.

Es folgte ein offener Schlagabtausch. Saint-Jean stellte für Rostock erneut auf Führung, René Lange glich mit seinem zweiten Touchdown zum 27:27 aus. Sekunden vor der Halbzeit schien alles auf einen ausgeglichenen Pausenstand hinauszulaufen – bis Jaeden Lewis einen Kickoff über das gesamte Feld zum Touchdown zurücktrug und Rostock mit 34:27 in die Kabine schickte.

Defense dreht auf – Frese und Fedd entscheiden das Spiel

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Während die Mindener Defense deutlich besseren Zugriff auf die Rostocker Offensive bekam und nur noch einen Touchdown zuließ, spielte Cavanaugh seine ganze Erfahrung aus.

Ein 45-Yard-Pass auf Willie Fedd Jr. leitete zunächst den Anschluss ein. Kurz darauf bediente Cavanaugh Benjamin Frese zum Touchdown und wenig später erneut den Receiver, nachdem Kenneth Patten einen Field-Goal-Versuch von Arthur Riemer entscheidend abgefälscht hatte. Als Rostock anschließend auch noch einen Fumble verlor, nutzte Minden die hervorragende Feldposition eiskalt. Mit einem spektakulären Catch erhöhte Willie Fedd Jr. auf 45:34 – das Weserstadion verwandelte sich endgültig in einen Hexenkessel.

Rostock kommt zurück – Minden behält die Nerven

Die Griffins gaben sich jedoch nicht geschlagen. Nachdem Linebacker Come Bergeron eine Interception gegen Cavanaugh fing, marschierte Zellous erneut über das Feld und fand zum dritten Mal an diesem Nachmittag Ruben Saint-Jean in der Endzone. Ein erfolgreiches Trickspiel bei der Two-Point-Conversion verkürzte den Rückstand auf nur noch drei Punkte.

Der anschließende Onside Kick hätte das Spiel noch einmal komplett drehen können, landete jedoch in den Händen der Wolves. Minden spielte die letzten gut zwei Minuten fehlerfrei herunter und durfte anschließend den historischen Premierensieg bejubeln.

Hoffnung lebt – Entscheidung vertagt

Der Erfolg bedeutet für die Wolves weit mehr als nur den ersten Zweitliga-Sieg der Vereinsgeschichte. Die Mannschaft hat sich im Abstiegskampf eine letzte Chance erarbeitet. Allerdings liegt das Schicksal nicht allein in eigener Hand: Nur wenn die Leipzig Lions ihr nächstes Spiel gegen die Elmshorn Fighting Pirates verlieren, kommt es am letzten Spieltag in Minden zum direkten Endspiel um den Klassenerhalt. Dann müssten die Wolves gegen Leipzig mit mindestens vier Punkten Vorsprung gewinnen, um den Ligaverbleib noch zu schaffen.

Entsprechend richtete Mindens Vorstand Volker Krusche den Blick unmittelbar nach dem Schlusspfiff bereits auf das kommende Wochenende. Wir hoffen, dass sich Elmshorn voll reinhängt“, appellierte er an die Fighting Pirates.

Auch aus Krefeld, dem souveränen Tabellenführer, erreichten die Wolves unmittelbar nach Spielende Glückwünsche. In einer Videobotschaft gratulierte Präsident Dino Volpe: „Ihr habt's gemacht! Sauber. Herzlichen Glückwunsch.“

Für Rostock ist die Niederlage zwar ein herber Rückschlag, die Ausgangslage bleibt dennoch aussichtsreich. Die Griffins haben die Playoff-Qualifikation weiterhin in eigener Hand und können sie am kommenden Spieltag im Heimspiel gegen die Hamburg Pioneers perfekt machen. Das spektakuläre Gastspiel an der Weser dürfte jedoch als Warnung dienen: Gegen einen Gegner, der um seine letzte Chance kämpft, reichen selbst 42 erzielte Punkte nicht immer zum Sieg.

Oliver Jungnitsch von NRW Football (Foto bereitgestellt von den Minden Wolves)

 

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