Die Minden Wolves haben ihren Saisonabschluss gefeiert – und zwei Spieler besonders in den Mittelpunkt gestellt: Receiver RayShon Fletcher, der nach einer fast unglaublichen medizinischen und sportlichen Rückkehr den „MVP“-Titel erhielt, sowie Offensive-Liner Ali Omar, der die Auszeichnung gemeinsam mit ihm entgegennahm. Eine Entscheidung, die Sportdirektor Volker Krusche als „angemessen nach einer historischen Saison“ bezeichnete.
Ehrung der Besten: Die Minden Wolves vergaben im Rahmen ihrer traditionellen Saisonabschlussfeier insgesamt 17 Awards - Foto: Florian Berge
Ein Blick zurück: Der Tag, der alles veränderte
Am 15. April 2023 bestritt das Team ein Testspiel gegen die Düsseldorf Panther. Trotz einer 14:0-Führung verlor das Wolfsrudel am Ende knapp, doch die sportliche Niederlage rückte schnell in den Hintergrund: Receiver RayShon Fletcher verletzte sich bei einer unglücklichen Spielsituation so schwer am Knie, dass er anschließend 16 Operationen überstehen musste – darunter eine seltene Nerventransplantation.
Die Wolves entschieden sich, Fletcher nicht in die USA zurückzuschicken. Stattdessen übernahm der Verein Verantwortung, weil die medizinischen Kosten in den Vereinigten Staaten langfristige Folgen gehabt hätten. „Unsere Imports sind abgesichert, und er erhielt hier eine erstklassige Behandlung“, betonte Krusche. In dieser Phase war unklar, ob Fletcher jemals wieder auf professionellem Niveau würde spielen können. Mannschaftsarzt Ulrich Grünwald erinnert sich: „Es wäre schon ein Erfolg gewesen, wenn er wieder ohne Einschränkungen laufen könnte.“
Die überraschende Wendung – und die Rückkehr nach Minden
Im Frühjahr 2025 veröffentlichte Fletcher ein Schreiben seiner US-Ärzte: Freigabe für Kontaktsport. Die Nachricht sorgte für Überraschung, aber auch für Skepsis. In Minden wollte man sicher gehen und unterzog den Receiver einer umfassenden medizinischen Prüfung. Grünwald bestätigte anschließend: Eine sportliche Rückkehr ist möglich. Fletcher entschied sich, zum Verein zurückzukehren, der ihn in der schwierigsten Phase unterstützt hatte. Und diese Entscheidung prägte die Saison deutlich.
Der Moment für die Geschichtsbücher
Im letzten Meisterschaftsspiel der Regionalliga standen die Wolves unter Druck. Gegen die punktgleichen Bielefeld Bulldogs lagen sie eine Minute vor Schluss 23:26 zurück, es war der vierte Versuch – letzte Chance. Quarterback Zachary „Zack“ Cavanaugh warf in die Endzone, wo Fletcher den Ball sicherte und den 29:26-Sieg perfekt machte. Der Touchdown bedeutete nicht nur den Spielgewinn, sondern auch den Meistertitel. In den Playoffs zeigte Fletcher erneut außergewöhnliche Fähigkeiten, unter anderem mit einem spektakulären Hinter-dem-Kopf-Catch gegen die Hannover Grizzlies.
Doppelte MVP-Ehrung – ein ungewöhnlicher, aber konsequenter Schritt
Bei der Abschlussfeier wurde Fletcher zunächst mit dem „Comeback-Award 2025“ ausgezeichnet. Als er wenig später auch den MVP-Award erhielt, reagierten seine Mitspieler mit Standing Ovations.
Doch der Titel ging nicht allein an ihn: Auch Offensive-Liner Ali Omar wurde als „Most Valuable Player“ geehrt. Omar gehört seit Gründung der Wolves zum Team, war über Jahre hinweg ein konstanter Leistungsträger und entwickelte sich zu einer zentralen Figur der Offensive. Seine Rolle abseits des Rampenlichts, sein Einfluss im Team und seine Zuverlässigkeit führten zur geteilten Auszeichnung. „Diese Saison war außergewöhnlich – und deshalb dürfen wir auch außergewöhnliche Entscheidungen treffen“, sagte Krusche.
Weitere Auszeichnungen des Abends
Neben den MVP-Ehrungen wurden zahlreiche weitere Leistungen gewürdigt:
Team-Awards
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Offense Player of the Year: René Lange
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Defense Player of the Year: Kevin Neal
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Special Teams Player: Tobias Paul
Coaching & Leadership
Phil-Gamble-Awards
Weitere Ehrungen
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Wolfrudel-Award: Carina Siemes
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Team-Award: Christopher Bannert
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Most Improved Offense: Sven-Philipp Niermeier
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Most Improved Defense: Jonny Muster
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Wolves-Award: Julia Fromlowitz und Guliano Schunke
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Offensive Rookie: Linus Modeß
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Defensive Rookie: Julius Stemmler
Verfasser und verantwortlich für den Inhalt: Volker Krusche - Minden Wolves (redaktionell geändert)